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Popcornfressende Assis

Manchmal ist sich ja unsereins nicht sicher: Hat man einfach den Zug der Zeit verpasst? Da genießt man einen schönen Kinoabend, die Tüte Popcorn ist im Nu vertilgt, der Film nähert sich seinem Finale und schwupps, schon läuft der Abspann mit herrlich schnulzigem Indie Pop. Um uns herum. Das Müllchaos: leere Pappcontainer, Softdrinkbecher, Flaschen, Eistüten, Bonbonpapier, Popcorn unter, auf den, zwischen und neben den Sitzen. Auf gut deutsch: «Eine Riesen Sauerei.» Erstaunte Blicke. «Mann, hab‘ Dich nicht so Alter», scheinen sie zu sagen. Ok, ist wohl normal so für alle, den eigenen Scheiss einfach liegen zu lassen. Halt doch von gestern. Dann, auf dem Weg nach draussen am Ausgang stehen zwei freundliche Jugendliche. Sie freuen sich über die leere Tüte, die sich schließlich doch noch zu den einzelnen Flaschen im eigens von ihnen bereit gehaltenen Müllbehälter gesellt. «Normal? Na, ja für uns inzwischen schon. Wir putzen halt jetzt alles weg. Dafür sind wir angestellt, froh über den Job.» Nach einigem Zögern fügen sie hinzu: «Na ja, schon irgendwie asozial. Aber ist halt so.»

Aha. Asozial. Ist halt so. Da ist man gerne altmodisch und will sich nicht wirklich damit abfinden, dass eine popcornfressende Assi-Mehrheit, die sich jederzeit den schönen Abend leisten kann, es völlig in Ordnung findet, dass es ein paar «arbeitende Deppen» gibt, die den Wohlstandsdreck ohne zu murren wegräumen. Ich will sie nicht, die Zweiklassengesellschaft, wo vermeintlich «Oben» ohne Anstand «Unten» mit Verachtung schon im gedankenlosen Zurücklehnen in den weichen Sessel zu verstehen gibt: «Dafür ist die Putze doch da.»

Die Krake frisst Dich.

«Wissen ist der Rohstoff der Zukunft». Haben wir einmal geschrieben vor rund zehn Jahren, für einen Kunden aus der Office-Branche. Jetzt müssen wir zugeben, das ist hoffnungslos überholt. Denn nicht Wissen ist der Rohstoff von morgen, sondern Daten. Möglicherweise würde uns dann eines Tages Wissen zwar helfen. Als Grundlage für mündige Entscheidungsfähigkeit. Aber wenn schon im Kindergarten «Medienkompetenz» mit (früh-)kindlicher Bildung verwechselt wird und später an Schulen und  Hochschulen Methoden Verstehen ersetzen, ist das Ziel der digitalen Monopolisten erreicht: Daten und Algorithmen bestimmen das Leben. Freiheit wird abgelöst von geplanter und verwalteter Sicherheit. Weiterlesen

Herbst …

Der Herbst und Deutschland, sie sind nicht ein wirklich gutes Gespann. Der «deutsche Herbst» steht für die «German Angst», vierzig Jahre vorher werden Menschen im vorletzten Monat des Jahres durch die Strassen gejagt und Scheiben zertrümmert. Jetzt geschieht in Deutschland mit dem nicht endenden Flüchtlingsstrom wieder Geschichte. Und manche sprechen vom «Herbst» der ewigen Kanzlerin, während ein frühlingshaft schöner November vor den Kapriolen des Klimas leises Grauen weckt. Morbide Schönheit, zwiespältiges Ahnen einer sich zersetzenden (Wohlstands-) Gesellschaft …

Es gibt keine «Wirtschaftsflüchtlinge»

Ein Unwort: «Wirtschaftsflüchtling». Weil es wertet. Weil es verschleiert. Weil es polarisiert. Im Subtext transportiert, da flüchte jemand vor etwas, vor dem gar nicht zu flüchten sei – letzten Endes als wäre er gar nicht legitim, der so genannte «Wirtschaftsflüchtling». Vielleicht ist das ja auch Zeitgeist. Weil sich solche Worte wunderbar eignen für den hysterischen Hype in den sozialen Netzwerken, welche die sachliche Diskussion, das Argument im politischen Diskurs längst abgelöst haben. Weiterlesen

Die letzte Himbeere …

Leise Wehmut schleicht sich ins Herz: Ein phantastischer Sommer neigt sich dem Ende zu. Im Garten habe ich die wahrscheinlich «letzte Himbeere» dieses Jahres entdeckt. Schade. Aber nur «Narren verlieben sich in eine Jahreszeit» habe ich vor kurzem gelesen. Weise ist, wer deren Wechsel geniesst. Offenbar bin ich noch kein bisschen weise …