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Gleichberechtigung für alle!

Ich bin ein dunkelhaariger, südländisch wirkender, männlicher Sitzpinkler. Warum das wichtig ist? Also erstens weiß ich ganz genau wie sich Diskriminierung anfühlt. Weil ich öfters die Landesgrenzen überquere und überproportional oft kontrolliert werde. Im Zug liegt die Kontrollquote bei nahe 100 Prozent. Und zweitens bin ich politisch unterrepräsentiert, wie ich spätestens begriffen habe, als Angela Merkel anlässlich der Feierlichkeiten zur Einführung des Frauenwahlrechts «Parität» in Parlamenten, Institutionen, Unternehmen, Universitäten, usw., usw. forderte. Die Müllwerker habe ich bei der Aufzählung allerdings vermisst. Und eben die südländisch wirkenden, männlichen Sitzpinkler. 

Aber zuerst mal der Reihe nach. Biologistisch betrachtet, kann ich nichts dafür, dunkelhaarig südländisch zu wirken. Weil mein Phänotyp eben aufgrund genetischer Ursachen so ist, wie er ist. Soziologisch allerdings könnte ich mich auch als rotblonder Vikinger fühlen – und auch so leben, und es am besten im Pass auch so eintragen lassen. Würde mir aber bei der Grenzkontrolle keiner glauben. Ich bin in jedem Fall verunsichert und fühle mich, wenn ich’s mir richtig überlege, eben diskriminiert – oder zumindest unterrepräsentiert.

Beim Sitzpinkeln ist die Sache eindeutiger: Diesbezüglich wurde ich sozialisiert. Ich lebe als männlicher Sitzpinkler, ich fühle mich als männlichen Sitzpinkler, und ich bin stolz darauf, ein männlicher Sitzpinkler zu sein. Gleichwohl, beim Besuch der Herrentoillette ist klar – ich werde ganz klar diskriminiert. Da stehen alle. Am Pissoir und in der Kabine. Ganz unmissverständlich fordere ich deshalb an dieser Stelle ein deutlich gekennzeichnetes, separates Klo für unsereins.

Damit komme ich zum wesentlichen Punkt: Ich fordere im Sinne einer gerechten Teilhabe Parität für dunkelhaarige, südländisch wirkende, männliche Sitzpinkler. Keine Ahnung wieviele wir sind, und ob darunter für öffentliche, politische Ämter, für wirtschaftliche Führungsaufgaben und wissenschaftliche Tätigkeiten oder eben Müllwerker genügend geeignetes Personal zu finden ist. Aber es liegt klar auf der Hand, Gerechtigkeit bedeutet gleiche Rechte und Teilhabe für alle. Also auch gleiche Rechte für dunkelhaarige, südländisch wirkende, männliche Sitzpinkler.

Das Land Brandenburg im Nordosten Deutschlands hat Angela Merkels Forderung aufgenommen und ein Paritätsgesetz verabschiedet, das vielen vorbildlich erscheint. Aber das ist es nicht, denn ich  bin sicher, die Welt würde erst dann ein kleines bisschen besser, wenn dunkelhaarige, südländisch wirkende, männliche Sitzpinkler endlich eine Stimme hätten. Es gibt sicher auch schieläugige, blonde Glatzköpfe oder einbeinige sommersprossige Linkshänderinnen, die endlich ein Recht darauf haben, angemessen in den Parlamenten vertreten zu sein. Mit denen könnten wir dunkelhaarigen, südländisch wirkenden, männlichen Sitzpinkler uns zu einer grossen Koalition zusammenschliessen. Vielleicht können wir uns so endlich auch das lästige Wählen sparen. Alle Minderheiten oder alle, die sich als solche fühlen, wären paritätisch in den Parlamenten vertreten. Sie würden endlich, endlich für Gerechtigkeit sorgen.

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