Alle Artikel mit dem Schlagwort: Leben

Das zehnte Türchen: Alles im Griff?

Alles im Griff. Er kam zügig voran. Jetzt kam eine ausgesetzte Stelle, er musste sich weit ausschwingen. Nur noch die Fußspitzen hatten Kontakt zum kleinen Felsband, seine Rechte krallte sich am Granit fest, mit links hängte er den Sicherungskarabiner ein. In diesem Moment realisierte er die gewaltigen Dimensionen um sich herum: 500 Meter Wand gähnten unter ihm im kalten Schatten, ein atemberaubendes Panorama weitete sich machtvoll. Alles im Griff? Die Illusion seines Lebens.

Das siebte Türchen: Aufstehen für die Kunst.

«Es ist sehr verlockend, den Mund nicht aufzumachen. Aber Kunst ist das Gegenteil davon. Kunst ist, Risiken einzugehen, selbst wenn man nicht immer glaubt, damit etwas bewegen zu können. Etwas zu riskieren, weil es einen das Leben spüren lässt.» Sagt Jason Isbell, ein amerikanischer Singer-Songwriter. Die Initiative www.aufstehenfuerdiekunst.de kämpft für die Kunst in lebensfeindlichen Zeiten wie diesen. Denn Kultur ist für eine Gesellschaft Über kurz oder lang überlebenswichtig.

Türchen 6: Fürchtet Euch nicht!

Leben braucht Mut. Oder bedeutet Mut, einfach zu leben? In jedem Fall wird uns Angst nicht helfen, die Herausforderung und Zumutungen der Pandemie zu bewältigen, und sie ist – wie der Volksmund schon sagt – «ein schlechter Ratgeber». Verabschieden wir uns also von dieser scheinbar unausweichlichen Verabredung zur Angst, wie sie uns jetzt aufs Neue von Medien und politischer Öffentlichkeit aufgedrängt wird. Es gibt da diese Erzählung, die mit dem weltberühmten Satz beginnt: «Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet Euch nicht!» Die Geschichte von Weihnachten – und ein guter Einstieg in die neue Woche.

Entscheidung. Oder nicht.

«Feuer?» Der Fremde beugte sich – in der Rechten einen Zigarillo – in selbstverständlich freundschaftlicher Vertraulichkeit zu ihm. Yves mochte weder das Eine noch das Andere. Raucher waren nämlich aus seiner Sicht nicht automatisch Freunde, weil sie dieselbe Sucht teilten. Und seit Corona war Vertraulichkeit unter Fremden sowieso äusserst deplatziert. So musterte Yves sein Gegenüber mit kühler Distanziertheit. Wer Yves kannte wußte, dass die unmerklich nach oben gezogenen Brauen und das leicht überlegen wirkende und nur angedeutete Lächeln blitzschnell in kalten Zynismus umschlagen konnten. Der Fremde wirkte eigentlich nicht unsympathisch. Mittelgross, sportlich, aber eher schmächtig, blondes, leicht gewelltes, nach hinten gegeeltes Haar, auf den Körper geschnittener Massanzug, feine hellbraune Lederschuhe. Durchnitts-Typ. Gehobenes Management. Einzig die strahlend blauen Augen waren auffällig. Er hätte schwören können, der Typ wäre Amerikaner. Aber er sprach offensichtlich deutsch. Woher wußte der Fremde, dass Yves Deutscher war?

Der schönste Tag – oder als Peter Steiner verschwand.

Der Tag versprach schön zu werden. Einer jener ersten lauen Frühlingstage wie sie die Westwinde durch die burgundische Pforte früher als anderswo ans Rheinknie blasen. Peter Steiner war zeitig dran, und so ließ er sich Zeit bei seinem Umweg ins Büro. Mit dem Fahrrad gondelte er gemütlich über die Markgräflerstraße hinab an den unteren Rheinweg, an den hässlichen Druckbehältern und Tanks der «Chemischen» vorbei – wie die Basler ihre großen Pharmaunternehmen nennen. Von der Dreirosenbrücke ging es dann Richtung City. Peter Steiner genoß diese kleine Rundfahrt am Morgen, wenn er vom Rheinufer kommend an der mittleren Rheinbrücke stadteinwärts einbog. Zu dieser Zeit lärmte die Stadt noch nicht im grellen Geräusch und ohne Hast stiegen die Menschen an den Straßenbahnhaltestellen ein und aus. Ja, Basel, das sich tagsüber in fast weltläufiger Hektik von seiner unfreundlichen Seite zeigte – um diese Zeit strahlten Straßen und Plätze eine heitere Gelassenheit aus. Und die Stadt, sie tönte anders. Das Gebimmel der Tram war deutlich zu hören und aus den zum Lüften geöffneten Fenstern der Stadthäuser manchmal das morgendliche Toilettenrauschen …

Der Sprung.

Stille. Das Wasser des großen Stroms zog leise glucksend und tief schwarz vorbei. Rechts, stromabwärts blinkten in der Ferne die Positionslampen der Schleusen am Kraftwerk, gegenüber war der Widerschein der Straßenlaternen des kleinen Dorfs zu sehen. Vor ihm dümpelte die Schwimmblase mit seinem Gepäck. Die hatte Paulo im Schutz der Uferweiden schon ins Wasser gelassen, bevor er sich ein paar Stunden aufs Ohr gelegt hatte. Um zu checken ob, sie dicht war. Er war todmüde gewesen. In einem Rutsch Hamburg-Basel mit einem LKW aus Rumänien, der – eigentlich auf dem Weg nach Rom – jetzt erst mal am großen Grenzübergang gestrandet war. Mit ihm allerdings reiste das Glück, er hatte gleich den nächsten Lift rheinaufwärts bekommen. Dann war er zu Fuß an das flache Uferstück gekommen, das an dieser Stelle ein kleine Bucht bildete. Er kannte sich bestens aus. Schließlich war er hier groß geworden. Eltern und Geschwister wussten nichts davon, dass er in der Gegend war. Gut so. Sie würde er auf dem Rückweg besuchen. Wann immer auch das sein würde.

Kinder an die Macht!

«Sport war einmal ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft, der unter anderem auch die Interessen der Kinder und Jugendlichen mitvertreten hat. Von Kindern und Jugendlichen, die jetzt auch durch den Sport nicht mehr aus dem Umfeld häuslicher Gewalt, die es – geschätzt – in jedem siebten Haushalt in Deutschland gibt, vorübergehend entfliehen können, die seit langem auch fast keine körperliche Interaktion und kein adäquates Bildungsangebot mit Gleichaltrigen mehr hatten.» Professor Perikles Simon in der FAZ vom 13. Mai 2020