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Leihbittewas?

Jens Spahn ist zurückgetreten. Wunderbar! Und jetzt? Springen wir über ein Stöckchen, das uns libertäre Wölf*innen im Schafspelz hinhalten. Denn der Fraktionsvorsitzende der CDU hat nicht zurücktreten müssen, weil eine «unerbittliche» Öffentlichkeit einem schwulen Paar den Kinderwunsch missgönnt, sondern weil Jens Spahn sein Fass der politischen Unanständigkeit zum Überlaufen gebracht hat. Aber zurück zum Stöckchen. Und den Fakten. In Deutschland kommen pro Jahr rund 650.000 Kinder auf die Welt, rund 100.000 werden abgetrieben, ca. 3.500 werden adoptiert, und geschätzte 100 Paare nehmen eine Leihmutterschaft in Anspruch. Die Mehrheitsgesellschaft diskutiert also ein Problem, das dieses Land nicht hat.

Wir haben allerdings ein paar andere Probleme. Zuvörderst eines des Machtgefälles. Zwischen Männern und Frauen, und zwischen Reich und Arm. Denn wenn es dieses Machtgefälle nicht gäbe, könnte niemand ernsthaft darüber diskutieren wollen, dass Frauen ihren Körper für die Zwecke von anderen (vorwiegend Männern) – kommerziell – zur Verfügung stellen. Und ihren Bauch für eine fremde, durch einen dritten befruchtete Eizelle, vermieten. Und ebenso würde niemand ernsthaft diskutieren wollen, ob das «Verleihen» einer Frau eine ernsthafte Alternative für den unerfüllten Kinderwunsch ist, wenn sich zu erwartende Kosten zwischen 50.000 Euro in «günstigen» Ländern, und bis zu über 150.000 Euro in den – in diesem Fall für ihre Fortschrittlichkeit gelobten – USA sowieso nur Reiche leisten können.

Außerdem überdeckt die Vordergründigkeit der Diskussion das Denkmodell derer, die jetzt die Notwendigkeit einer neuen, «zeitgemässen» Regelung beschwören. Zum Beispiel die vor Jahresfrist erfreulicherweise durchgefallene Kandidatin fürs Verfassungsgericht Frauke Brosius-Gersdorf. Frauen hätten ein Recht darauf, ihren Körper fremden Wunscheltern zur Verfügung zu stellen, sagte sie kürzlich in einem Interview der «Zeit». Das ist kein liberales Weltbild (das christliche – vermeintlich überholte – lassen wir mal außen vor), sondern eine libertäres. Das die Tür zur Eugenik weit aufstösst. Hier ist dann die intellektuelle Schnittmenge zu den Peter Thiels und Elon Musks dieser Welt, und hierzulande zu Teilen der Rechtspopulisten. Alice und Jens könnten sich im Zweifel gut verstehen. Was ja nicht zuletzt als Bodensatz des Fasses der politischen Unanständigkeit Spahns vermutet wurde.

Tröstlich und Gottseidank im Wortsinn – die Geschichte ist nicht neu, mit bekanntem Ausgang: Die Griechen sprachen von Hybris, die Bibel erzählt vom Turmbau zu Babel.

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