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«Angst essen Seele auf.»

Evolutionsgeschichtlich hat die Angst eine wichtige Funktion als ein die Sinne schärfender und Körperkraft aktivierender Schutz- und Überlebensmechanismus, der in tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten (Fight-or-Flight) einleitet. Allerdings – Angst als Grundbefindlichkeit oder als gesellschaftlicher Dauerzustand wird zu individueller oder kollektiver Paranoia. Und schädigt sowohl jeden Einzelnen als auch die Gemeinschaft. «Angst essen Seele auf.» So drückte es Ali in Fassbinders berühmtem Film aus. Ganzheitlich ausgerichtete Mediziner sprechen davon, dass eine halbe Stunde Angst rund sechs Stunden Immunsupression auslösen.

In drei Tagen ist Ostern. Ein guter Zeitpunkt, uns von dieser scheinbar gemeinsamen und unausweichlichen Verabredung zur Angst, wie sie uns seit rund einem Jahr von Medien und politischer Öffentlichkeit aufgedrängt wird, zu verabschieden. Angst wird uns nicht helfen, die Herausforderung und Zumutungen der Pandemie zu bewältigen, und sie ist – wie der Volksmund schon sagt – «ein schlechter Ratgeber». Täglich zu besichtigen im zunehmend hilf- und phantasielosen Handeln angesichts der gegenwärtigen Situation.

«Euch ist nicht der Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit gegeben.» Oder so ähnlich. Das hat, glaube ich, mit der Osterbotschaft zu tun: Mut zum Leben, Frühling für die Herzen und Seelen.

In diesem Sinne frohe Ostern!

Entscheidung. Oder nicht.

«Feuer?» Der Fremde beugte sich – in der Rechten einen Zigarillo – in selbstverständlich freundschaftlicher Vertraulichkeit zu ihm. Yves mochte weder das Eine noch das Andere. Raucher waren nämlich aus seiner Sicht nicht automatisch Freunde, weil sie dieselbe Sucht teilten. Und seit Corona war Vertraulichkeit unter Fremden sowieso äusserst deplatziert. So musterte Yves sein Gegenüber mit kühler Distanziertheit. Wer Yves kannte wußte, dass die unmerklich nach oben gezogenen Brauen und das leicht überlegen wirkende und nur angedeutete Lächeln blitzschnell in kalten Zynismus umschlagen konnten. Der Fremde wirkte eigentlich nicht unsympathisch. Mittelgross, sportlich, aber eher schmächtig, blondes, leicht gewelltes, nach hinten gegeeltes Haar, auf den Körper geschnittener Massanzug, feine hellbraune Lederschuhe. Durchnitts-Typ. Gehobenes Management. Einzig die strahlend blauen Augen waren auffällig. Er hätte schwören können, der Typ wäre Amerikaner. Aber er sprach offensichtlich deutsch. Woher wußte der Fremde, dass Yves Deutscher war?

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Die Tempo 20-Gesellschaft.

Kennt Ihr das? Irgendwo auf der Landstraße: Alles ist gut, Ihr kommt zügig vorwärts, der Verkehr fließt mit achtzig, auch mal hundert Stundenkilometern. Und dann plötzlich das «Tempo 70»-Schild. Vorbei ist es mit der flotten Herrlichkeit. Denn der brave Steuerbürger vor Dir fährt jetzt nicht 70 wie es da ausgeschildert ist, sondern zwischen 50 und 60. Warum? Das wird dann zur philosophischen Frage, während Du hinter ihm herzuckelst.

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«Cuba Libre» virtuell.

Endlich wieder mal ungezwungen Leute treffen und mit einem schönen «Cuba Libre» bis spät abends am Tresen abhängen? Diese Idee wirkt aus der Zeit gefallen, oder ist bestenfalls eine wehmütige Erinnerung an Vor-Corona-Zeiten. Dominik Galander, lang erfahrener Barkeeper und Betreiber mehrerer Bars in Berlin will das trotz Lockdown und Schließungen seiner Lokale möglich machen. Mit der gleichnamigen «Galander Bar» in Berlin-Kreuzberg hat er ein ehrgeiziges Projekt an den Start gebracht – die erste virtuelle Bar Deutschlands.

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Ausgangssperren sind «mittelalterlich».

Mit teilweise sinkenden Inzidenzzahlen sind Ausgangssperren und Pflicht zum Maskentragen, wie sie in einzelnen Bundesländern und Landkreisen bis heute Bestand hatten, einstweilen Geschichte. Die Diskussionen um die Angemessenheit, beziehungsweise um die sachlichen Grundlagen für die Maßnahmen allerdings nicht unbedingt. Der Physiker Dr. Gerhard Scheuch, der als einer der renommiertesten Aerosol-Forscher Europas gilt, bezieht mit einem deutlichen Statement Position: «Im Freien eine Maske zu tragen, ist völliger Unsinn.» Gerhard Scheuch war von 2007 bis 2013 Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin und berät heute die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) sowie viele pharmazeutische Unternehmen und Institutionen.

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Schneemenschen.

Schneemenschen? Kennt Ihr das? Wenn Ihr morgens aufsteht, und der erste Blick zu den nahen Berggipfeln und Höhenzügen wandert, wo – hoffentlich – das weiße Pulver Eurer Träume liegt. Oder noch besser, wenn Ihr morgens aufwacht und alle Geräusche draußen wie durch Watte gedämpft an Euer Ohr klingen? Und es Euch richtig aggressiv macht, wenn der Moderator im Radio genau in diesem Augenblick sagt: «Lichtblick fürs Wochenende, es wird wieder milder.» Oder noch schlimmer der missgelaunte Nachbar ungefragt jammert, während er mit einer komplett lächerlichen Plastikschaufel auf dem Boden herumkratzt: «Wenn nur bald der Winter vorbei wäre…». Und Ihr voller Begeisterung die weiße Pracht zu herrlichen flaumigen Haufen türmt. Ihr nervt Euch dann fürchterlich über diese miesepetrigen Ignoranten und phantasielosen Schönheitsverweigerer? Dann seid Ihr Schneemenschen! 😜 Willkommen im Club! 

Weihnachtsmärchen !?

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. …». Genau das mochte er jetzt nicht hören. Kilian Voigt drehte am Lautstärkeregler des Dolby Surround-Systems. Das Heck seines schweren Coupés triftete in der engen Kurve. Es schneite und schneite. Die Scheinwerfer tasteten sich durch die dicken Schneepolster der Passstrasse. Er sollte sich mehr konzentrieren bei diesen Strassenbedingungen. Weiterlesen

Coworking für neue Perspektiven

Die Veränderung der Arbeitswelt schreitet zweifelllos voran. Die Pandemie scheint den Prozess allenfalls zu beschleunigen. So sind die so genannten Coworking Spaces dabei, sich als geschätzte Alternative zu klassischen Büros und gewohnten Arbeitsformen zu etablieren. „Büroflächen wie sie die internationalen Riesen wie zum Beispiel wework anbieten, allerdings sind nicht das, was wir unter Coworking verstehen“, erklärt Frederic Geiger, einer der Gründer von Startblock, das bislang erste und einzige Coworking Space seiner Art in der Lörracher Kernstadt.

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Schneeglück.

Stille breitet sich aus. Im Westen färbt sich der Himmel tieforange in der untergehenden Sonne. Nach Osten hin, wo der Blick weit ins Tal reicht, glänzen die Schneeflanken im goldenen Licht unter einem pinkfarbenen Abendhimmel.
Die kalte Luft wird zunehmend eisiger. Unter den Schuhen knarzt der Schnee. Ein phantastischer Tag mit Freunden und ausgelassener Fröhlichkeit neigt sich dem Ende zu. Müde, aber glücklich genießen wir diese Stunde des verklingenden Wintertages. Lauschen den fernen Stimmen der letzten heimkehrenden Wintersportler, die jetzt abgelöst werden vom Rauschen des aufkommenden Abendwindes. Lassen Geist und Seele freien Lauf, träumen. Jetzt ist sie wirklich erhaben – in diesem blaugoldenen Licht, kalt glitzernd in ätherischem Schein. Die einzigartige Natur. Jetzt ist sie zu spüren, die Faszination des weissen Glücks. Von der wir träumen. Drunten im Tal. Wo uns manchmal der Blick fürs Wesentliche verschwimmt. Seltene Momente des fühlenden Erkennens, das Wirkliche unserer Sehnsucht nach dem Eins sein. Mit uns selbst, mit der wertvollen Natur, mit dem «Überbleibsel Gottes» (Dan Shambicco).

Die letzten goldenen Strahlen am Horizont verglimmen, eisige Bläue kündet von der heranziehenden Nacht. Groß und silbern geht der Vollmond auf, verzaubert die umstehenden Felsgipfel in eine Arena der Schönheit. Wir schwingen jetzt in großen ruhigen Bögen den weiten Hang hinunter. Ahnen die Einheit von Körper, Geist und Seele. Und gewinnen sie für kurze Augenblicke. Jetzt. Mit jedem Schwung, mit jedem Aufwehen des pulvrigen Schnees, mit jedem Pochen des Herzens im Rhythmus der phantastischen Abfahrt.

Schneeglück. Glück im Schnee. Hoffentlich bald wieder.