Autor: Justus Ammann

Türe 9: Highway to hell?

Endzeit. Das Mittelalter ist zurück. Mit der Terminologie der Gegenwart, im Geiste der Inquisition. Die Menschheit, auf dem «Highway to climate hell» (António Guterres),«das Leben des Planeten in Gefahr» (Joe Biden), «am Abgrund» (Annalena Baerbock) und «2050 wird die Menschheit verhungern» (the last generation). «Die Wissenschaft» kennt – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – mit unumstösslicher Gewissheit die Zukunft, nämlich Kipp- und Endpunkte. «Die Politik» wiederum weisst uns gemeinsam mit den in allen Medienkanälen omnipräsenten Wanderpredigern der Neuzeit den «richtigen Weg» zum «1,5-Grad-Ziel» und zur «Abwendung der Klimahölle». Doch es gibt Rettung vor der Verdammnis des Verbrennens im Erdball-Inferno: Die Einhaltung von Speisevorschriften oder Bußübungen des Verzichts auf sündigen Konsum. Und wem das zu anstrengend ist, kann in Form von Co2-Ausgleichs-Zertifikaten Ablassbriefe lösen. Das Denkmodell ist bestens bekannt – siehe oben. Soweit also erstmal nichts Neues unter der Sonne.

Türchen drei: Zu empfehlen.

Das Erbe eines großen Namens anzutreten erfordert Mut. Danny Neynaber hat ihn. Im Okober 21 hat der junge Gastronom mit seiner Frau Evelyn den Adler in Alt-Weil übernommen. Der galt über Jahrzehnte im Dreiländereck als erste Adresse, weithin bekannt, mit Michelin-Stern ausgezeichnet und vom in der Szene legendären Hansjörg Wöhrle 35 Jahre gehalten, besucht von seinerzeit prominenten Gästen wie Helmut Kohl, Lothar Späth oder auch einem Gunter Sachs und einer Brigitte Bardot. Basels Haute Volée, lokal auch als «Daig» bezeichnet, gab sich an der Weiler Hauptstraße ein regelmäßiges Stelldichein. So war das Image sehr, sehr gut, aber ohne Zweifel auch leicht angestaubt. Neuer Wind hat jetzt Einzug gehalten – und das ist der Grund für eine Empfehlung!

Das erste Türchen: halboffen.

«Die Tür ist irgendwie halb offen in diesem Jahr für mich». Dieses Bild verwendete vergangenen Sonntag Ulrike Krumm, eine hiesige Pfarrerin. Stimmt, dachte ich. Die eigene Stimmung schwankt zwischen Dankbarkeit für die Tatsache, zum privilegierten Teil der Menschheit zu gehören (weihnachtlich), Respekt mit Blick in die Zukunft (definitiv nicht weihnachtlich), Unglaube und Wut, darüber was gegenwärtig auf der Welt passiert (definitiv nicht weihnachtlich) – und Hoffnung, die immer wieder das Leben ausmacht (weihnachtlich). Ach – und heute morgen eine Nachricht erhalten, die Riesen-Freude und ein grosses Danke auslöst …; es weihnachtet.

«Dieter Bohlen ist ein … beep …!»

War mein erster Gedanke als ich diese Woche in Deutschlands selbst ernanntem Kluge-Köpfe-Medium las, dass der von der Höhensonne verbrannte C-Promi für die Sanktionsaufhebung gegen Russland sei. Weil wir wegen genau dieser Sanktionen «jetzt frieren müssen». Der zweite Gedanke: «Dringt UV-Strahlung auch durch die Schädeldecke?» Dann las ich die Kommentare unter dem Bericht. Lustige wie «Wer sich neben Bohlen stellt, hat bereits die Kontrolle über seinen Verstand verloren» und komplett humorfreie, braun-beige Blouson-Statements wie «Wenigstens einer, der seine Stimme erhebt! Deutschland hat für die Ukraine schon mehr als genug gezahlt.»